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Tierschutz kann sehr belastend sein

Eine Seite des Tierschutzes wird in der Regel kaum beleuchtet. Jeder Mensch reagiert anders und die Arbeit im Tierschutz ist unterschiedlich. Einige opfern sich regelrecht auf, pflegen und helfen rund um die Uhr bedürftige oder kranke Tiere. Andere decken Missstände auf und werden oft Zeuge grausamer Szenen.

Das alles hinterlässt Spuren. Und jeder, der aktiv im Tierschutz mitmacht, sei es direkt oder indirekt, kann davon ein Lied singen.

Ich habe mich das oft gefragt, wenn ich von fürchterlichen Tierquälereien in Schlachthöfen gehört habe, wie die Menschen, die diese Scheußlichkeiten aufdecken, damit fertig werden. Ich kann bei diesen Berichten nicht hinsehen, weil ich Angst habe, dass mich das Gesehene bis in den Schlaf verfolgt. Ich habe selbst darunter gelitten, die Treibjagden in Japan während der alljährlich stattfindenden Deflinjagden live zu verfolgen. Und ich weiß, wie es mir zugesetzt hat. Ich hatte meine Aggressionen nicht mehr im Griff, konnte nicht mehr abschalten. Ich war gezwungen, damit aufzuhören.

In den sozialen Medien ist der Tierschutz überall vertreten. Auch dort erlebe ich bei den Aktiven alles das, was Frau Dr. Maass in ihrem Vortrag erwähnte.
Mangelnder Respekt anderen Tierschützern gegenüber, der sich ja oft in offenen Streitereien zeigt, gegenseitigen Vorwürfen und erfundenen Hierarchien.
Aggression, Reizbarkeit und Ungeduld, sich selbst und anderen gegenüber, sind deutliche Anzeichen einer Überbelastung. Ohne einen positiven Ausgleich schafft man die wichtige Tierschutzarbeit nicht. Auszeiten müssen sein. Ich kann das aus eigener leidvoller Erfahrung sagen.

Heute fand in Berlin das Minding Animlal Germany Symposium statt, das von der Landestierschutzbeauftragten Dr. Kathrin Herrmann veranstaltet wurde. Dort sprach Dr. Angela Maass, Fachärztin für Psychosomatik und Psychotherapeutische Medizin, Psychotraumatologie zum Thema

Gedanken zu möglichen Traumatisierungen bei Aktivist:innen aus psychotraumatologisch/psychosomatischer Sicht

Dr. Maass zeigte den Teilnehmern zuerst ein Gedicht

Egal, in welcher Hinsicht man aktiv ist, jeder kennt das Gefühl von Ohnmacht, das Gefühl nie fertig zu werden, weil kaum hat man etwas abgeschlossen, ist schon der nächste Notfall da. Dieser Stress und diese andauernde Belastung hat Folgen für die Psyche.

Anhand dieser Folie hat Dr. Maass die kurzfristigen, wie längerfristigen Folgen dargestellt
Das Nichtbeachten eigener Grenzen, nicht für einen Ausgleich zu sorgen, sich Gutes zu tun, jenseits vom Tierschutz und/oder auch der Arbeit, erhöht die Gefahr eines Burnouts

Faktoren, die einen Burnout begünstigen sind:

Probleme, nein zu sagen

Hoher Idealismus und Perfektionismus, Überengagement und völlig überzogene Erwartungen an sich selbst und auch an andere. Kommen dann äußere Ursachen hinzu, wie Arbeitsüberlastung, wenig Anerkennung und wenig Kontrolle über die eigenen Aufgaben, ist der Weg zum Burnout geebnet, wenn man keine Reißleine zieht. Einen Ausgleich zu suchen und zu haben, ist wichtig für die Psyche.
Dazu kommen dann die Traumata.

Traumata haben auf Menschen wie auf Tiere die gleiche Wirkung:

Wir haben das alle schon einmal gehört. Gelähmt sein vor Angst, kein Wort sagen zu können, weil man so geschockt ist. Starr sein vor Angst, oder man fühlt sich, als sei der Hals zugeschnürt.

Dabei spielt es auch keine Rolle, ob man selbst Opfer, oder „nur“ Zeuge einer Tat ist, die ein Trauma verursacht. Zeuge einer traumatisierenden Tat zu werden, ist eine indirekte oder Sekundärtraumatisierung.

Dr. Maass stellte uns ihr Drei-Stufen-Modell zu einem umsichtigen und resilienten Aktivismus vor. (Resilienz =psychische Widerstandskraft; Fähigkeit, schwierige Lebenssituationen ohne anhaltende Beeinträchtigung zu überstehen)

Wer an sich diese Symptome feststellt, sollte sich Hilfe suchen. Es ist kein Anzeichen von Schwäche, vielmehr ist es ein großer Schritt festzustellen, dass man Grenzen hat und dass man diese schützen muss:

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