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Die Geschichte meines Bärchens (Sam)

Er war nicht geplant. Als mein Sohn und ich Joschi am 12.06.2010 besuchten, wurde uns erzählt, dass Sam lahmt und der zukünftige Besitzer vom Kauf zurückgetreten ist. Wenn wir ihn mit seinem Bruder Joschi mitnehmen würden, müssten wir nichts extra zahlen. Wir bekamen ihn trotzdem vollständig geimpft, das sei gesagt.

Sam am 12.06.2010

Am 07.07.2010 haben wir Joschi und Sam abgeholt. Und einen Tag später ging ich mit ihm zu meiner Tierarztpraxis, um ihn untersuchen zu lassen. Er hatte tatsächlich einen Bruch des Oberschenkels, der unversorgt geblieben ist. Ein riesiger Kallus hatte sich um den Bruch gebildet. Damals gaben mir meine Tierärzte den Rat, dies heilen zu lassen.

Wenige Tage später brach er sich das Bein erneut. Und da der Chirurg gerade im Urlaub war, der sonst alle OPs übernimmt, empfahl man mir die Tierklinik in Potsdam.
In der Klinik hatte man sich furchtbar über seinen Zustand aufgeregt. Die Knochendichte war einfach nicht gut genug und man versuchte, mich dafür verantwortlich zu machen und warf mir vor, ihn falsch zu ernähren. Eine Blutuntersuchung ergab aber, dass der Calciumspiegel in Ordnung war, sodass geschrieben wurde, der Mangel sei behoben worden.

Sam blieb über Nacht und wurde operiert. Am Abend konnte ich ihn wieder abholen. Der junge Kater musste in einer Box bleiben, damit er sich nicht zu sehr bewegte.

Die Fotos zeigen u.a. Sam im Käfig, den desolaten Zustand seines Oberschenkels zum Zeitpunkt, als das Bein das zweite Mal gebrochen war. Auf einem Foto lässt sich gut erkennen, wie disloziert der Bruch gewesen ist und wie das behoben wurde. 6 Wochen Boxenruhe musste er aushalten. Für einen Kater im Alter von 4 Monaten eine furchtbar lange Zeit. Als er endlich aus dem Käfig durfte, tobte er eine geschlagene Stunde durch die Wohnung, bevor er endlich erschöpft einschlief.

Etwa ein Jahr später wurde er erneut operiert. Er hatte aufgrund des schief verwachsenen Oberschenkels eine Patellaluxation, die behoben wurde und es wurden die Nägel entfernt. Danach war Sam erst einmal ein glücklicher und verspielter Kater, der unglaublich sozial war. Es kamen noch zwei Katzen dazu. Cassie 2012 und 2015 noch die Emily Erdbeer und beide adoptierte Sam sofort und spielte mit allen, raufte auch mit ihnen.

2013 im Juni und August folgten dann zwei weitere schwere Operationen. Sam wurde extrem durchtrittig vorn links. Wir wissen nicht warum, ob es eine Bindegewebsschwäche war oder die Überlastung durch die Schmerzen im Oberschenkel die Durchtrittigkeit verursachten. Wenn ich ihn untersuchte, zeigte er eine Schmerzhaftigkeit, weshalb ich mit ihm die Kleintierspezialisten in Berlin aufsuchte. Nach eingehender Beratung und weil mein Bärchen Schmerzen anzeigte, beschlossen wir, die Pfote zu versteifen. Eine OP mit viel Aufwand. Ich brauchte ein Gehege und – ganz wichtig – einen Wasserbrunnen, denn Sam liebte den Brunnen und ich hatte damals nur einen einzigen. Ein Anruf bei *kostenlose Werbung* Keramik im Hof genügte und Frau Jörges sagte mir einen „Fehlerchenbrunnen“ zu, der Rück-Zuck an mich versandt und geliefert wurde. Den Brunnen habe ich immer noch in Gebrauch.

Ich brachte Sam also nach Berlin-Tegel in die Praxis der Kleintierspezialisten, wo Sam am gleichen Tag operiert wurde. Er musste über Nacht dort bleiben. Er musste fortan dreimal in der Woche zum Verbandswechsel, den ich glücklicherweise nach den ersten Wundkontrollen in meiner Haustierarztpraxis durchführen lassen konnte. Der Weg war kürzer und ich musste nur ein Drittel von dem bezahlen, was ich bei den Kleintierspezialisten bezahlte. Etwa 5-6 Wochen später brach sich Sam den Unterarm an einer Schraube und musste erneut operiert werden. Ich hatte ihn aus dem Gehege genommen, damit er zusammen mit den anderen Katzen auf dem Sofa sein konnte. Dort ist er mir allerdings entwischt und kletterte auf die Liegeflächen unter der Decke. Bei Versuch ihn dort herunterzuholen, sprang er los und kam unglücklich auf. Auf dem folgenden Foto-Slide könnt ihr sehen, wie stark durchtrittig er war, wo das Karpalgelenk fixiert wurde, wie sein Gehege aussah und wo der Knochen brach, sowie, wie das in Ordnung gebracht worden ist. Die korrekte Bezeichnung der Versteifung ist: Karpalgelenksathrodese.

Insgesamt war er fast drei Monate in diesem Gehege, am Ende allerdings ohne Verband, weil er eine handfeste Krallenbettentzündung bekam und die dringend abheilen musste. Sie musste auch ständig mit Salbe behandelt werden, wein weiterer Verband war also völlig unmöglich.

Sam erholte sich davon auch. Nur klettern konnte er nicht mehr. Die versteifte Pfote erlaubte dies nicht. Sam sprang nun überall hin, wo er hin wollte.

Bald konnten wir umziehen, ins schöne Oldenburg, wo es eine Wohnung mit Garten den Katzen möglich machte, endlich gesicherten Freigang zu genießen! Nach einer anfänglichen Unsicherheit, schon wegen der ungewohnten Geräusche, wagten sie sich auch hinaus.

Leider sehr spät, durch das digitale Röntgen, das meine neue Tierärztin in Oldenburg einsetzte, fanden wir heraus, dass tatsächlich der Rücken es war, der meinem Sam die Schmerzschübe eingebracht hat. Sam litt ständig unter starken Schmerzschüben, weshalb er eigentlich pausenlos Schmerzmittel bekam. Sam hatte eine Spondylose. Das ist eine Erkrankung der Wirbelsäule, bei der die Rückenwirbel verknöchern und unbeweglich werden. Es ist nicht die Unbeweglichkeit, die schmerzhaft ist, sondern der Prozess des Verknöcherns löst Schmerzschübe aus. Sam zeigte beim Laufen immer einen Karpfenrücken, der für ein Rückenleiden sprach. Deshalb sagten auch meine Berliner Tierärzte, es kommt vom Rücken. Die Röntgenbilder aber zeigten nichts an. Deshalb glaubten wir alle, es liegt an den Arthrosen der Knie, die auf den Röntgenbildern klar erkennbar sind, dass er solche Probleme hat.

Sein Zustand besserte sich nicht. Er bekam Schmerzmittel, dann später Solensia, dass ihm etwa ein ganzes Jahr lang wirklich Erleichterung verschaffte, bis auch die Wirkung nachließ und er zusätzliches Schmerzmittel brauchte. Gut ein Dreivierteljahr vor seinem Tod bekam er nur noch Cortison. Sam wurde unsauber und der Verdacht lag nahe, dass die Verknöcherungen auf die Nerven drücken.

Im April 2022 wurde es dann so extrem, dass er die Rampen nicht mehr bewältigen konnte, um aufs Sofa oder dem Bett zu kommen. Als er dann nur noch mit Knurren aufstehen konnte, rief ich meine Tierärztin an.

Eine Entscheidung musste ich treffen, denn Sams Leben konnte man nicht mehr als lebenswert bezeichnen. Mein Bärchen hatte keine Lebensqualität mehr. Es war nur noch Leiden.

Sam war meine einzige Katze, die nicht gestorben wäre, hätte ich ihn nicht einschläfern lassen. Es war die einzig richtige Entscheidung, aber nie ist mir etwas so schwergefallen! Bei allen anderen nahm ich den Tod vorweg, um ihnen ein schmerzloses Sterben zu ermöglichen und keinen furchtbaren und womöglich schmerzhaften Todeskampf zuzulassen. Bei Sam war es anders. Und obwohl ich weiß, dass es richtig war, fühlte ich mich wie sein Henker. Übermorgen ist sein Tod schon vier Jahre her und doch sitzt es mir wie ein Stachel im Fleisch.

Nie wieder nannte ich einen meiner Kater Bärchen. Mein Bärchen war einmalig und ist nun nicht mehr da. Ich habe so viel für ihn getan und es war nicht genug. Ich vermisse meinen roten Teufel unendlich.

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